Die Unterstufe - Klassen 1 bis 4
Einstieg ins Lernen
Jeden Morgen begrüßen die Klassenlehrer die Kinder ihrer Klasse mit Handschlag, einigen persönlichen Worten und einem interessierten Blick in die Augen des Kindes: wie ist heute die Stimmung des Kindes, wie der Händedruck, kommt es eher bedrückt in der Klasse an oder sprudelt es vor lauter Erzähldrang fast schon über?
Schließt sich dann die Tür und beginnt der Unterricht, tauchen die Kinder ein in eine reiche Welt des Lernens, die ihre Bedürfnisse nach lebendiger Bewegung ebenso aufgreift wie ihre manchmal noch träumende Anteilnahme an den täglichen Erzählungen ihres Klassenlehrers. Die bei den jüngeren Kindern oft noch reichen Nachahmungskräfte helfen ihnen dabei, Gedichte, Lieder, aber auch das "1x1" und vieles andere aktiv aufzunehmen.
Eine Klasse wird zur Gemeinschaft
Die Klassenlehrer begleiten ihre Klasse in der Regel die ersten acht Schuljahre. Genau wie sich die Schülerinnen und Schüler unteinander über die Jahre hinweg immer besser kennen lernen und unter ihnen eine richtige Gemeinschaft entsteht, entsteht auch von Seiten des Klassenlehrers über die Jahre hinweg ein enges Verhältnis zu seiner Klasse. Er hat so die Möglichkeit, die Entwicklung jedes einzelnen Kindes über einen großen Zeitraum mitzuverfolgen und kann daher besonders gut auf Bedürfnisse der einzelnen Kinder eingehen.
Fachlich erarbeitet er mit seinen Schülerinnen und Schülern das erste Schreiben, Lesen und Rechnen, das Malen und Zeichnen und die Naturkunde. Sie unterrichten ihre Klasse in Heimat- und Sachkunde, Deutsch und Geschichte, Mathematik und Geometrie. Unterrichte in Fremdsprachen, Sport, Eurythmie, Musik und Religion (katholischer, evangelischer oder freier Religionsunterricht) werden von Fachlehrern erteilt.
Der Entwicklungssprung um das neunte Lebensjahr
Im Laufe des neunten/zehnten Lebensjahres (3./4. Klasse) tritt eine Veränderung im Empfinden und Verhalten des Kindes ein. Hat es bisher wie selbstverständlich im Einklang mit seiner Umgebung gelebt, so wird das Verhältnis der Kinder gegenüber der Natur und den Menschen distanzierter. Es tauchen viele Fragen auf, die darauf abzielen, sich vom vertrauten Empfinden der Welt zu unterscheiden. Eine neue, verstärkte Eigenwahrnehmung beginnt, eine ganz entscheidende Vorstufe des späteren Umbruchs in der Pubertät. Viele Unterrichtsinhalte in der 3. und 4. Klassen unterstützen die Kinder bei diesen Entwicklungsprozessen.
Rahmenlehrplan Unterstufe (pdf)
Waldorfschulen verstehen ihren Lehrplan als einen sich ständig entwickelnden Rahmenlehrplan, der in der konkreten Zusammenarbeit der Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Schülerinnen und Schülern individualisiert und modifiziert werden kann.