Die Oberstufe - Klassen 9 bis 13
Praktika der OberstufeDas 11. und 12. SchuljahrDie staatlischen Abschlüsse
Verantwortung für das eigene Lernen übernehmen
In der Oberstufe werden die Schüler dazu angehalten, ihre Lernfortschritte selbständig zu reflektieren. Die Schüler übernehmen in immer stärkerem Maße die Verantwortung für ihr Lernen. Das Ausbilden praktischer, theoretischer, sozialer und schließlich individueller Urteilskompetenzen durchzieht ihre Arbeit und ist Grundlage aller unterrichteter Fächer. Anstelle des Klassenlehrers, der die Klasse die ersten acht Schuljahre begleitet, steht ihnen nun ein Tutor zur Seite, der ihnen in sozialen und organisatorischen Fragen zur Seite steht. Der gesamte Lehrplan wird ausschließlich von Fachlehrern unterrichtet.
Schülerrat (SR)
Im Schülerrat (SR) haben die Schüler die Gelegenheit, sich aktiv in die Gestaltung des Schulwesens einzubringen. Darüber hinaus organisiert der SR im Laufe des Jahres verschiedene Aktionen, wie Konzerte, Benefizprojekte, Skiausfahrten und anderes.
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Wahl-Pflicht-Fächer
In der 10. und 11. Klasse können Schüler aus diversen Wahlpflicht-Fächern wählen. Sie entscheiden sich für ein bekanntes Gebiet, um sich fachlich zu vertiefen, oder sie wählen einen neuen zusätzlichen Bereich, der ihren Interessen entspricht.
Moderne Technologien
Das Arbeiten mit und das Anwenden von Computertechnik wird ab der 10. Klasse im Fachbereich der Technologie mit Schwerpunkt Medienkompetenz, welche den bewussten, initiativen und eigenverantwortlichen Umgang mit Medien zum Ziel hat. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Bericht über eine Waldorfschule im Silicon Valley, die an der Unterstufe und Mittelstufe nicht mit Computern arbeitet. Eltern in leitenden Funktlionen der ansässigen IT-Branche suchen für ihre Kinder vermehrt den Zugang zu dieser Waldorfschule, sie wünschen sich, dass ihre Kinder nicht als "user" heranwachsen sehen, sondern ihnen erst ermöglichen, ihre kreativen Fähigkeiten auszubilden, um anschließend selbstbestimmt tätig zu werden (der Leitartikel aus der "New York Times" hatte in der Medienlandschaft zu einigem Aufhorchen geführt).
Die Halbjahresarbeit
Die Halbjahresarbeit inder 9. Klasse stellt die SchülerInnen vor die Aufgabe, sich mit einem frei gewählten Thema ein halbes Jahr lang auseinander zusetzen und dieses in einer abschließenden Präsentation einem Publikum vorzustellen. Neben einem Referat und einer schriftlichen Dokumentation über das Projekt gestalten die SchülerInnen auch einen Themenstand.
SchülerInnen mit nur einer Fremdsprache (Englisch)
Hier handelt es sich immer um eine Einzelfallentscheidung. Die Klassenkonferenz berät und entscheidet, ob ein Schüler Französisch abgeben kann und stattdessen gezielt in Mathematik in Englisch und in Deutsch gefördert wird.
Orientierungsgespräche
Im Verlauf der 11. Klasse finden für alle SchülerInnen Orientierungsgespräche statt, in denen die LehrerInnen dem Schüler und seinen Eltern den weiteren Schulweg bzw. den Schulabschluss empfehlen. Dem voraus geht eine Klassenkonferenz, in der jeder Schüler einzeln besprochen wird. Hierbei fließen Leistungsstand, Lernmotivation usw. des jeweiligen Schülers mit ein. Es geht um eine konkrete Hinführung in die Prüfungsklassen. Themen des Orientierungsgesprächs können sein:
- Rückblick auf die bisherige Schulzeit
- Beabsichtigte Anstrengungen und Ziele
- Wie können Eltern und LehrerInnen den Schüler unterstützen?
- Welches Bild hat der Schüler von sich / von der Schule?
- Einschätzung durch die LehrerInnen des Schülers
Praktika der Oberstufe
Landwirtschafts-Praktikum (9. Klasse, 4 Wochen)
Den Jugendlichen öffnet sich hier eine einzigartige Gelegenheit - sie lernen den nachhaltigen Umgang mit unseren Lebensgrundlagen kennen. Bei ihrer Mitarbeit auf biologisch-dynamisch wirtschaftenden Höfen, erfahren sie, was es bedeutet, direkte Verantwortung für Tier und Mensch und Umwelt zu übernehmen und erleben die Tragweite ihrer Tätigkeit unmittelbar.
Das Praktikum veranschaulicht zudem in seinen Zusammenhängen Inhalte aus den theoretischen Fächern, wie Biologie, Chemie und Physik. Die Schüler halten das Praktikum in Wort und Bild in einer Mappe/Folio fest. Das Landwirtschafts-Praktikum kann weltweit durchgeführt werden.
Vermessungs-Praktikum (10. Klasse, 1 Woche)
Vermessen wird ein konkretes Projekt, dem ein realer Auftrag zu Grunde liegt. Das Ergebnis fließt in die Ausführung des jeweiligen Bauvorhabens ein. Voraussetzung für die theoretischen Nachberechnungen von vermessenen Strecken und Winkeln ist die Trigonomietrie, die in der 10. Klasse unterrichtet wird. Die Jugendlichen arbeiten in Gruppen von drei bis vier Schülern, erfahren hier die Prozesse von Teamarbeit und dokumentieren und präsentieren ihre Berechnungen.
Betriebs-Praktikum (10. Klasse, 2-3 Wochen)
Die Schüler arbeiten in Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen, im Einzelhandel oder im Handwerksbereich mit. Sie lernen Arbeitsprozesse kennen, können ihre Fähigkeiten testen und personelle Kontakte zur Arbeitswelt knüpfen.
Sozial-Praktikum (11. Klasse, 3-4 Wochen)
Die Jugendlichen besuchen zumeist eine der fünf Camphill-Dorfgemeinschaften im Bodenseegebiet, leben und arbeiten gemeinsam mit den betreuten Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen. Sie haben hier die Gelegenheit, im Umgang mit behinderten Menschen die Erfahrung zu machen, dass die Grenzen zwischen "behindert" und "normal" fließend sind, dass dieses Urteil oft vom Standpunkt des Betrachters abhängt. Vielfältige Anregungen und Begegnungen helfen den Schülerinnen und Schülern, ihre sozialen Fähigkeiten zu schulen. Praktikumplätze sind auch in anderen sozialen Einrichtungen, etwa der Pforzheimer Lebenshilfe oder der Caritas, möglich. Das Sozial-Praktikum kann weltweit durchgeführt werden.
Das 11. und 12. Schuljahr
Im Laufe dieser zwei Schuljahres stellen die Schülerinnen und Schüler zusätzlich zum fortlaufenden fachlichen Unterricht ihre Selbständigkeit und ihr individuelles Können mit einem modernen Schauspiel, der Vorstellung ihrer Jahresarbeit und einem künstlerischen Abschluss vor einem großen Publikum unter Beweis.
Durchführung und Präsentation einer Jahresarbeit
Die Jahresarbeit bietet Jugendlichen die Gelegenheit, etwas vollständig in Eigeninitiative zu entwickeln und umzusetzen, wobei dem Prozess in etwa 1 Jahr eingeräumt wird. Das Thema ist freigestellt und beinhaltet in seiner Aufgabe einen praktischen und einen theoretischen Teil mit einer ca. 20 minütigen Präsentation sowie einem umfassenden Portfolio mit Dokumentation der Arbeitsschritte, Teilergebnisse und Lösungsansätze. Der Betreuungslehrer kann von den SchülerInnen selbst gewählt werden. Beeindruckend ist die große Bandbreite der Interessen und Fähigkeiten, die die SchülerInnen im Laufe der zwölf Schuljahre innerhalb und außerhalb der Waldorfschule erworben haben. Die Arbeit wird der Schulgemeinschaft und der Öffentlichkeit präsentiert.
Die große Theaterproduktion
In der 12. Klasse erarbeiten sich alle Schüler einer Klasse gemeinsam ein anspruchsvolles Theaterstück und zeigen dieses in zwei öffentlichen Aufführungen. Beispiele dafür: "Faust" v. J.W.Goethe, oder "Verbrennungen" v. Wahdi Mouawad" oder "Brave New World" v. Alous Huxley.
Der künstlerische Abschluss
Der Künstlerische Abschluss ist ein fester Bestandteil der 12. Klassen. Hier wird das Erlernte in den künstlerischen Fächern (Musik, Eurythmie, Rezitation in Deutsch, Englisch und Französisch) in einem festlichem Rahmen zur öffentlichen Aufführung gebracht.
Die staatlischen Abschlüsse
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Staatlicher Hauptschulabschluss (9. oder 10. Klasse)
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Staatlicher Realschulabschluss (12. Schuljahr)
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Staatliche Fachhochschulreife (13. Schuljahr)
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Staatliches Abitur im 13. Schuljahr (G9)
Den Hauptschulabschluss beantragen nur die SchülerInnen, für die dieser Abschluss sinnvoll ist. Nach den Orientierungsgesprächen in der 11. Klasse besuchen die Schüler in der 12. Klasse die entsprechende Prüfungsvorbereitungsgruppe. Nach gut bestandener MR-Prüfung kann eine Hochschulzugangsberechtigung angestrebt werden. Besonders attraktiv ist für die SchülerInnen die Durchlässigkeit zwischen den Prüfungs-vorbereitungsgruppen: Bei entsprechender Leistungssteigerung kann von der Mittleren Reife- in die FHR- und von der FHR- in die Abiturvorbereitungsgruppe gewechselt werden.
Etwas mehr als die Hälfte unserer SchülerInnen legt am Ende ihrer Schulzeit das staatliche Abitur ab. Das Abitur ist das Zentralabitur der staatlichen Gymnasien und wird zeitgleich mit diesem abgenommen.
Rahmenlehrplan Oberstufe (pdf)